Wärmebilddrohnen eröffnen Jägern neue Möglichkeiten, ihr Revier besser kennenzulernen, Wildbestände zu erfassen und Wildtiere möglichst störungsarm zu beobachten. Doch welche Einsätze sind in der Praxis sinnvoll? Worauf kommt es bei der Auswahl der passenden Drohne an und wo liegen die Grenzen dieser Technik?
Wir zeigen, wie Wärmebilddrohnen im Jagdrevier eingesetzt werden können, welche Vorteile sie beim Wildmonitoring bieten und warum neben der Technik vor allem eine verantwortungsvolle Anwendung entscheidend ist.
Was bringt eine Wärmebilddrohne im Jagdrevier?
Wer sein Revier kennt, kann Wildbestände und Lebensräume besser einschätzen. Gerade in unübersichtlichem Gelände, dicht bewachsenen Waldstücken oder großen landwirtschaftlichen Flächen ist das jedoch nicht immer einfach.
Eine Wärmebilddrohne ermöglicht es, größere Gebiete aus der Luft zu überblicken und Wärmequellen sichtbar zu machen. Dadurch lassen sich Wildtiere auch dann entdecken, wenn sie vom Boden aus nur schwer zu erkennen sind.
Je nach Modell stehen neben der Wärmebildkamera weitere Kameras zur Verfügung, beispielsweise eine Zoomkamera oder eine Nachtsichtkamera. So können entdeckte Tiere aus der Entfernung genauer betrachtet werden.
Der entscheidende Vorteil: Statt das Revier ausschließlich vom Boden aus abzusuchen, erhalten Jäger eine zusätzliche Perspektive. Das kann die Revierarbeit erleichtern und bei der Planung verschiedener Maßnahmen unterstützen.
Die wichtigsten Einsatzmöglichkeiten einer Wärmebilddrohne
1. Wildmonitoring und Wildzählung
Eine der wichtigsten Anwendungen ist das systematische Wildmonitoring. Dabei geht es darum, Wildbestände zu beobachten, Tiere zu erfassen und ihre Verteilung im Revier besser zu verstehen.
Mit einer Wärmebilddrohne können beispielsweise Rotwild, Schwarzwild und Damwild aus der Luft lokalisiert werden. Entdeckte Tiere lassen sich mithilfe der Zoomkamera genauer betrachten und anhand ihrer sichtbaren Merkmale einordnen.
Besonders hilfreich ist eine strukturierte Vorgehensweise: Werden Suchgebiete vorab festgelegt und systematisch abgeflogen, können die Beobachtungen besser dokumentiert und ausgewertet werden.
Mithilfe von GPS-Koordinaten lassen sich Fundorte markieren und später wiederfinden. Eine sorgfältige Dokumentation schafft eine bessere Datengrundlage für die weitere Revierplanung.
Auch größere Flächen können so untersucht werden. Bei einem von uns begleiteten Projekt wurden beispielsweise mehr als 40.000 Hektar erfasst.
Wichtig ist dabei, die Ergebnisse richtig einzuordnen: Eine Drohne kann die Wildzählung unterstützen, ersetzt aber nicht automatisch eine fachgerechte Bestandsbewertung. Sichtbedingungen, Vegetation und das Verhalten der Tiere beeinflussen, wie viele Tiere tatsächlich erkannt werden.
2. Wildtiere in dichter Vegetation entdecken
Gerade in bewachsenen Waldstücken oder im Unterholz ist es häufig schwierig, Wildtiere vom Boden aus zu erkennen. Eine Wärmebildkamera kann hier zusätzliche Informationen liefern.
Sie macht Temperaturunterschiede sichtbar und hilft dabei, mögliche Wärmequellen zu lokalisieren. Mit der Zoomkamera kann anschließend geprüft werden, ob es sich tatsächlich um ein Wildtier handelt.
Auch die Flughöhe spielt eine Rolle. Bei geeigneten Bedingungen lassen sich Wildtiere beispielsweise aus einer Höhe von etwa 100 bis 120 Metern beobachten. Welche Details erkennbar sind, hängt unter anderem vom Drohnenmodell, der Kamera, der Vegetation und den Umgebungsbedingungen ab.
Dabei gilt: Nicht jede Wärmequelle ist automatisch ein Tier. Äste, Bodenstrukturen und andere Wärmequellen können die Interpretation erschweren. Erfahrung und eine sorgfältige Überprüfung bleiben deshalb unverzichtbar.
3. Schwarzwild und Frischlinge vor Bewegungsjagden erkennen
Die Beobachtung von Schwarzwild ist ein weiteres wichtiges Einsatzgebiet. Mit einer Wärmebilddrohne lassen sich Rotten lokalisieren und Tiere unter geeigneten Bedingungen näher betrachten.
Insbesondere die Frage, ob sich Frischlinge bei einer Bache befinden, kann für die verantwortungsvolle Planung einer Bewegungsjagd relevant sein. Werden entsprechende Tiere entdeckt, kann dies dabei helfen, sensible Bereiche zu erkennen und bei der Planung zu berücksichtigen.
Die Drohne dient dabei nicht dazu, möglichst viel Wild aufzuspüren, sondern liefert zusätzliche Informationen über den Wildbestand und dessen Verteilung.
Gerade bei solchen Einsätzen ist es wichtig, die Beobachtungen fachlich korrekt einzuordnen und die Tiere nicht unnötig zu stören.
4. Wildschäden dokumentieren
Auch bei der Aufnahme von Wildschäden kann eine Drohne wertvolle Unterstützung leisten. Schäden auf Mais-, Raps- oder Getreideflächen lassen sich aus der Luft häufig übersichtlicher erfassen als vom Boden aus.
Mit geeigneten Kameras und einer entsprechenden Auswertung können betroffene Bereiche dokumentiert und Flächen vermessen werden. Das erleichtert die Übersicht und kann die weitere Bearbeitung von Wildschäden unterstützen.
Entscheidend ist die passende Vorgehensweise: Je nach Fragestellung, Flächengröße und gewünschter Genauigkeit kommen unterschiedliche Drohnenmodelle und Auswertungsmethoden infrage.
5. Unterstützung bei der Nachsuche
Eine weitere mögliche Anwendung ist die Unterstützung bei der Suche nach verletztem Wild, beispielsweise nach einem Wildunfall.
Eine Wärmebilddrohne kann dabei helfen, ein Gebiet aus der Luft zu überblicken und mögliche Fundorte schneller einzugrenzen. Gerade in unübersichtlichem Gelände kann diese zusätzliche Perspektive hilfreich sein.
Wichtig bleibt jedoch: Die Drohne ersetzt keine fachgerechte Nachsuche und keinen ausgebildeten Nachsuchenhund. Sie kann die Suche ergänzen, sollte aber immer in ein verantwortungsvolles Vorgehen eingebunden werden.
6. Kitzrettung vor der Mahd
Wärmebilddrohnen sind auch bei der Kitzrettung ein wichtiges Hilfsmittel. Vor der Mahd können Wiesen systematisch abgesucht werden, um Kitze und andere Tiere rechtzeitig zu entdecken.
Die Wärmebildkamera erleichtert die Suche insbesondere dann, wenn die Tiere im hohen Gras liegen und vom Boden aus kaum sichtbar sind.
Für eine erfolgreiche Kitzrettung sind neben der passenden Technik eine gute Einsatzplanung, geeignete Wetter- und Temperaturbedingungen sowie eine abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Landwirten, Jägern und Drohnenpiloten entscheidend.
Welche Wärmebilddrohne eignet sich für die Jagd?
Welche Drohne die richtige ist, hängt davon ab, welche Aufgaben im Revier übernommen werden sollen.
Für die Auswahl sind insbesondere folgende Kriterien wichtig:
- Wärmebildkamera: Auflösung und Bildqualität beeinflussen, wie gut sich Wärmequellen erkennen und beurteilen lassen.
- Zoomkamera: Sie unterstützt die genauere Betrachtung entdeckter Tiere aus der Entfernung.
- Flugzeit und Akkus: Mehrere Akkus ermöglichen längere Einsätze und reduzieren Unterbrechungen durch das Laden.
- Nachtsichtkamera: Sie kann bei geeigneten Einsatzbedingungen eine zusätzliche Orientierung bieten.
- Spotlight: Ein Scheinwerfer kann für bestimmte Anwendungen sinnvoll sein, muss aber zum Einsatzzweck passen.
- Wetterbeständigkeit: Wer regelmäßig bei anspruchsvollen Bedingungen oder gewerblich arbeitet, sollte auf die entsprechende Schutzklasse achten.
- Software und Dokumentation: Für systematische Wildzählungen sind Funktionen zur Gebietsplanung, GPS-Markierung und Datenauswertung besonders interessant.
Ein Beispiel für eine professionelle Wärmebilddrohne ist die DJI Matrice 30T. Sie kombiniert eine Wärmebildkamera mit weiteren Kamerasystemen und einem Laser-Entfernungsmesser. Für umfangreichere Einsätze ist außerdem die Ausstattung mit mehreren Akkus und einer geeigneten Ladetechnik sinnvoll.
Nicht immer ist jedoch das technisch umfangreichste Modell die beste Wahl. Entscheidend ist, dass die Ausstattung zu den tatsächlichen Aufgaben im Revier passt.
Wie lassen sich Suchgebiete systematisch abfliegen?
Für ein aussagekräftiges Wildmonitoring reicht es nicht aus, einfach mit der Drohne über das Revier zu fliegen. Eine strukturierte Planung hilft dabei, Suchgebiete vollständig und nachvollziehbar zu erfassen.
Dafür können beispielsweise einzelne Waldstücke oder andere relevante Flächen auf einer Karte markiert werden. Mithilfe geeigneter Software lassen sich diese Gebiete planen und auf die Fernsteuerung übertragen.
Während des Fluges behält der Pilot so den Überblick darüber, in welchem Bereich sich die Drohne befindet und welche Flächen noch untersucht werden müssen.
Entdeckte Tiere können anschließend anhand ihrer Position dokumentiert werden. Werden die Erfassungen nach einer einheitlichen Methode durchgeführt, lassen sich die Ergebnisse besser vergleichen und für die weitere Revierarbeit nutzen.
Für größere Projekte ist es besonders wichtig, eine nachvollziehbare Datengrundlage zu schaffen und die Grenzen der Erfassung zu berücksichtigen.
Was ist beim Einsatz einer Wärmebilddrohne zu beachten?
Neben der Technik spielen die gesetzlichen Rahmenbedingungen und der verantwortungsvolle Umgang mit Wildtieren eine zentrale Rolle.
Vor dem Einsatz müssen die jeweils geltenden luftrechtlichen Anforderungen, mögliche Flugbeschränkungen und weitere einschlägige Vorgaben geprüft werden. Welche Voraussetzungen gelten, hängt unter anderem vom Einsatzgebiet, der Drohne und der konkreten Anwendung ab.
Darüber hinaus sollten Jäger den Schutz der Tiere immer im Blick behalten. Flüge sind so zu planen, dass unnötige Störungen möglichst vermieden werden. Eine Wärmebilddrohne sollte nicht dazu eingesetzt werden, Wildtiere ohne Rücksicht auf ihr Verhalten zu verfolgen oder zu bedrängen.
Auch ethische Fragen gehören dazu: Welche Informationen werden tatsächlich benötigt? Wie lassen sich Tiere möglichst störungsarm beobachten? Und wie werden die gewonnenen Erkenntnisse anschließend genutzt?
Die Technik liefert zusätzliche Informationen. Wie verantwortungsvoll damit umgegangen wird, liegt weiterhin beim Anwender.
Schulungen für den professionellen Drohneneinsatz
Wer eine Wärmebilddrohne im Jagdrevier einsetzen möchte, sollte sich nicht nur mit der Steuerung vertraut machen. Auch die Interpretation von Wärmebildern, die Planung von Suchgebieten und die Dokumentation der Ergebnisse müssen gelernt sein.
Bei CopterPro unterstützen wir Anwender mit passenden Schulungen und einer individuellen Beratung. Dabei betrachten wir gemeinsam, welche Drohne zum jeweiligen Einsatzgebiet passt und welche Kenntnisse für eine sichere und effiziente Anwendung erforderlich sind.
Gerade beim Wildmonitoring ist eine strukturierte Vorgehensweise entscheidend. Wer Tiere zuverlässig erfassen und die gewonnenen Daten sinnvoll nutzen möchte, sollte Technik, Flugplanung und Auswertung als zusammenhängenden Arbeitsprozess verstehen.
Fazit: Wärmebilddrohnen bieten mehr als nur eine bessere Sicht
Wärmebilddrohnen können die Arbeit im Jagdrevier in vielen Bereichen unterstützen. Sie helfen dabei, Wildtiere zu lokalisieren, Wildbestände zu erfassen, Wildschäden zu dokumentieren und die Kitzrettung zu unterstützen. Auch bei der Planung von Maßnahmen und der Suche nach verletztem Wild können sie eine wertvolle Ergänzung sein.
Ihr größter Nutzen liegt darin, zusätzliche Informationen aus der Luft zu gewinnen und das Revier besser zu verstehen. Voraussetzung dafür sind die passende Technik, eine fundierte Anwendung und ein verantwortungsvoller Umgang mit den Tieren.
Du möchtest wissen, welche Wärmebilddrohne zu deinem Revier oder deinem geplanten Einsatz passt? Wir beraten dich bei CopterPro zu geeigneten Modellen, passendem Zubehör und den richtigen Schulungen.
Jetzt informieren auf copterpro.de.







