Jedes Jahr fallen während der Mähsaison zahlreiche Rehkitze den Mähwerken zum Opfer. Dank engagierter Helfer, moderner Wärmebilddrohnen und immer besserer Organisation können jedoch immer mehr Jungtiere gerettet werden. Die bisherige Kitzrettungssaison 2026 zeigt eindrucksvoll, wie wichtig professionelle Abläufe, innovative Technologien und die Zusammenarbeit zwischen Landwirten und Drohnenpiloten geworden sind.
Erfolgreiche Saison mit vielen geretteten Kitzen
Die Saison 2026 verlief bislang äußerst erfolgreich. Allein in den betreuten Revieren konnten bereits 46 Rehkitze vor dem Mähtod bewahrt werden. Rechnet man die Einsätze weiterer Helfer und Partner hinzu, liegt die Zahl der geretteten Tiere deutlich über 100. Dabei geht es jedoch nicht um Rekorde oder Statistiken – jedes einzelne gerettete Tier zählt.
Besonders erfreulich ist die Entwicklung der Zusammenarbeit mit den Landwirten. Viele Betriebe planen ihre Mäharbeiten inzwischen eng mit den Kitzrettern ab. Dadurch können Flächen frühzeitig kontrolliert und Kitze rechtzeitig gesichert werden.
Digitalisierung erleichtert die Kitzrettung
Ein entscheidender Erfolgsfaktor ist die Digitalisierung der Einsatzplanung. Moderne Managementsysteme ermöglichen es, Felder zu registrieren, Suchaufträge zu organisieren und Funde direkt zu dokumentieren.
Dadurch profitieren alle Beteiligten:
- Landwirte können Flächen einfach anmelden.
- Drohnenpiloten erhalten alle Informationen zentral.
- Helfer sehen jederzeit den aktuellen Einsatzstatus.
- Kitzfunde werden automatisch dokumentiert und ausgewertet.
Gerade bei großen Revieren mit vielen Flächen spart eine strukturierte Organisation enorme Mengen an Zeit und verhindert Fehler bei der Einsatzplanung.
Warum der richtige Kescher entscheidend ist
Mit fortschreitender Saison werden die Kitze mobiler und flüchten oft bereits vor den Helfern. Deshalb ist ein geeigneter Kescher unverzichtbar.
Wichtige Merkmale:
- Mindestens 60 cm Durchmesser
- Gummiertes Netz
- Abgerundete Kanten
- Ausreichend lange Stange für sicheren Abstand
Der Kescher ermöglicht ein schonendes Sichern der Tiere, ohne unnötigen Stress oder Verletzungsgefahr.
Künstliche Intelligenz als zusätzliche Unterstützung
Neben Wärmebildkameras gewinnt Künstliche Intelligenz zunehmend an Bedeutung. Moderne KI-Systeme können Wärmequellen analysieren und potenzielle Tierfunde markieren.
Dabei ersetzt die KI keineswegs die Erfahrung eines Piloten. Sie dient vielmehr als zusätzliche Sicherheitsebene. Besonders in schwierigen Situationen – beispielsweise bei hoher Bodentemperatur oder unübersichtlichem Gelände – kann die KI Hinweise liefern, die ansonsten möglicherweise übersehen würden.
Ein Praxisbeispiel aus der Saison zeigte, wie eine Tiererkennungs-KI zunächst eine Ricke erkannte. Dadurch wurden anschließend zwei versteckte Kitze entdeckt, die ohne diesen Hinweis möglicherweise unentdeckt geblieben wären.
Erfolgreiche Zusammenarbeit mit Landwirten
Die beste Technik nützt wenig ohne funktionierende Abläufe vor Ort. Deshalb ist die Abstimmung mit den Landwirten entscheidend.
Bewährt hat sich dabei folgendes Vorgehen:
- Frühzeitige Einsatzplanung.
- Zuerst Flächen kontrollieren, die sofort gemäht werden sollen.
- Landwirte beginnen bereits auf freigegebenen Flächen mit der Mahd.
- Bereiche mit Kitzfunden werden bevorzugt bearbeitet.
- Kitze werden erst freigelassen, wenn die Gefahr vorüber ist.
Dieses Vorgehen minimiert Wartezeiten und sorgt für einen reibungslosen Ablauf während der oft hektischen Morgenstunden.
Wie lange dürfen Kitze in der Sicherungsbox bleiben?
Grundsätzlich gilt: So kurz wie möglich, so lange wie nötig.
Empfohlen werden maximal vier Stunden. In Ausnahmefällen kann dieser Zeitraum etwas länger ausfallen, wenn die Sicherheit der Tiere gewährleistet bleibt.
Wichtig dabei:
- Die Box muss stets im Schatten stehen.
- Ausreichende Belüftung ist erforderlich.
- Die Tiere dürfen nicht für Spaziergänger oder Hunde erreichbar sein.
Die oberste Priorität bleibt immer der Schutz der Kitze vor den Mähwerken.
Optimale Flughöhe für Wärmebilddrohnen
Viele Drohnenpiloten unterschätzen die Bedeutung der Flughöhe. Moderne Wärmebildkameras liefern nicht automatisch in geringer Höhe die besten Ergebnisse.
Je nach Drohnenmodell liegt der optimale Bereich häufig zwischen:
- 60–80 Metern bei kleineren Wärmebilddrohnen
- 80–120 Metern bei leistungsstärkeren Systemen
In diesem Bereich entstehen oft die schärfsten Wärmebilder und Rehkitze lassen sich leichter identifizieren.
Zusätzlich empfiehlt sich die Nutzung spezieller Wärmebildmodi, die störende Wärmequellen reduzieren und die Erkennung erleichtern.
Das richtige Freilassen der Kitze
Nach Abschluss der Mäharbeiten beginnt der letzte wichtige Schritt: die sichere Freilassung.
Dabei sollten Helfer beachten:
- Das Kitz ruhig und bodennah freilassen.
- Keine hektischen Bewegungen.
- Die Freilassung möglichst in der Richtung vornehmen, in die die Ricke geflüchtet ist.
- Stresssituationen vermeiden.
Die Erfahrung zeigt, dass viele Ricken ihre Kitze sehr schnell wiederfinden und übernehmen, wenn die Tiere am richtigen Ort freigelassen werden.
Geruch und Annahme durch die Ricke
Immer wieder wird diskutiert, ob menschlicher Geruch dazu führt, dass eine Ricke ihr Kitz verstößt. Wissenschaftliche Belege dafür sind bislang nicht eindeutig.
Trotzdem sollten Kitzretter einige Grundregeln beachten:
- Saubere, geruchsneutrale Handschuhe verwenden.
- Auf starke Parfüms oder Deodorants verzichten.
- Nicht rauchen während des Einsatzes.
- Künstliche Gerüche möglichst vermeiden.
So wird das Risiko zusätzlicher Störungen minimiert.
Gemeinsam für mehr Tierschutz
Die Kitzrettung entwickelt sich stetig weiter. Moderne Wärmebildtechnik, Künstliche Intelligenz, digitale Einsatzplanung und engagierte Ehrenamtliche sorgen dafür, dass jedes Jahr tausende Rehkitze gerettet werden können.
Der wichtigste Erfolgsfaktor bleibt jedoch die Zusammenarbeit aller Beteiligten: Landwirte, Jäger, Drohnenpiloten und Helfer verfolgen dasselbe Ziel – Tierleid zu verhindern und Leben zu retten.
Jedes gerettete Kitz ist ein Erfolg. Und jede Person, die sich für dieses Thema engagiert, leistet einen wertvollen Beitrag zum praktischen Tierschutz.
Kitzrettung 2026: Was wir aus der Saison gelernt haben – und wie moderne Technik Leben rettet
content2026-06-22T13:16:38+02:0022. Juni 2026|







