Die Anforderungen an Drohnen wachsen ständig. Während viele Systeme für Foto-, Video- oder Inspektionsflüge entwickelt wurden, gibt es inzwischen auch Drohnen, die speziell für den Transport schwerer Lasten gebaut wurden. Ein besonders beeindruckendes Beispiel ist die DJI FlyCart 100.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, was diese Drohne kann, wie sie aufgebaut ist und für welche Einsatzbereiche sie besonders geeignet ist.
Die größte Transportdrohne von DJI
Die DJI FlyCart 100 gehört zu den leistungsstärksten Transportdrohnen, die aktuell verfügbar sind. Mit einem Durchmesser von rund drei Metern und einem massiven Aufbau wirkt sie im Vergleich zu klassischen Kameradrohnen wie ein echtes Schwergewicht.
Die wichtigsten Eckdaten im Überblick:
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Maximale Nutzlast: bis zu 100 kg
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Abfluggewicht: ca. 170 kg
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Durchmesser: etwa 3 × 3 Meter
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Doppel-Akkusystem
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Flugzeit ohne Last: bis zu 40 Minuten
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Flugzeit unter Last: etwa 10–15 Minuten
Der Name „FlyCart“ kommt nicht von ungefähr – die Drohne funktioniert im Prinzip wie ein fliegender Lastenträger.
Lastentransport per Lasthaken
Herzstück des Systems ist ein elektrischer Lasthaken mit Seilwinde.
Das System besteht aus:
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einem ca. 30 Meter langen Seil
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einem elektrisch steuerbaren Lasthaken
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Steuerung direkt über die Fernbedienung
Damit kann die Drohne beispielsweise:
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Lasten aufnehmen
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sie an einen Zielort transportieren
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und dort gezielt wieder absetzen
Typische Transportgüter können sein:
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Big Bags
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Materialkisten
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Werkzeuge
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Rettungsausrüstung
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Baumaterial
Gerade in schwer zugänglichen Gebieten bietet dieses System enorme Vorteile.
Moderne Sensorik für sichere Flüge
Damit eine so große Drohne sicher betrieben werden kann, ist sie mit umfangreicher Sensorik ausgestattet.
Dazu gehören unter anderem:
Hinderniserkennung
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Kamerabasierte Sensoren
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LiDAR-Sensorik zur Erkennung von Hindernissen
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Radar zur zusätzlichen Absicherung
Damit können auch Stromleitungen oder andere Hindernisse erkannt werden.
RTK-Positionierung
Zusätzlich verfügt die FlyCart 100 über RTK (Real Time Kinematic).
Diese Technologie ermöglicht eine Positionsbestimmung im Zentimeterbereich. Das ist besonders wichtig bei:
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präzisem Absetzen von Lasten
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automatisierten Flugrouten
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Flügen in anspruchsvollem Gelände
Manuelle Flüge oder automatisierte Routen
Die FlyCart 100 kann auf zwei Arten eingesetzt werden:
Manuelle Steuerung
Der Pilot steuert die Drohne direkt über die Fernsteuerung.
Automatische Routenplanung
Alternativ können Transport-Routen programmiert werden.
Beispielsweise:
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Transport vom Tal zur Berghütte
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regelmäßige Materiallieferungen
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wiederkehrende Versorgungsflüge
Die Drohne fliegt dann automatisch zwischen den definierten Punkten.
Typische Einsatzbereiche der FlyCart 100
Die FlyCart 100 wurde speziell für professionelle Anwendungen entwickelt. Einige der wichtigsten Einsatzgebiete sind:
Hüttenversorgung in Bergregionen
In Regionen wie den Alpen müssen Berghütten regelmäßig versorgt werden.
Oft wird dafür ein Hubschrauber eingesetzt, was sehr teuer ist. Viele dieser Transporte liegen jedoch unter 100 kg – ein idealer Einsatzbereich für die FlyCart.
Forstwirtschaft
Forstbetriebe müssen regelmäßig Materialien in schwer zugängliche Waldgebiete transportieren, zum Beispiel:
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Setzlinge
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Werkzeuge
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Baumaterial
Mit einer Transportdrohne können solche Aufgaben effizient erledigt werden.
Rettungseinsätze im Gebirge
Auch im Rettungsbereich kann die Drohne helfen, etwa beim Transport von:
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Erste-Hilfe-Ausrüstung
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Tragen
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Verpflegung
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Rettungsmaterial
Gerade wenn ein Hubschrauber nicht sofort verfügbar ist, kann eine Drohne wertvolle Zeit sparen.
Drohnen-Dienstleister
Für spezialisierte Drohnen-Dienstleister eröffnet die FlyCart 100 ein völlig neues Geschäftsmodell: den professionellen Lastentransport per Drohne.
Da aktuell nur wenige Unternehmen solche Systeme einsetzen, entstehen hier neue Marktchancen.
Reinigung von Windkraftanlagen
Ein weiteres spannendes Einsatzfeld ist die Reinigung von Windkraftanlagen.
Dabei kann die Drohne:
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einen Wasserschlauch nach oben ziehen
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eine Reinigungs-Lanze positionieren
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schwer erreichbare Bereiche reinigen
Technische Anforderungen im Betrieb
Der Betrieb einer solchen Transportdrohne stellt besondere Anforderungen.
Akkus und Ladeleistung
Die FlyCart nutzt ein Doppel-Akkusystem.
Für den professionellen Einsatz sind wichtig:
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mehrere Akkusätze
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ein leistungsstarkes Ladegerät
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ein Generator für den mobilen Betrieb
Das Ladegerät kann bis zu 12–15 kW Ladeleistung erreichen, sodass Akkus relativ schnell wieder einsatzbereit sind.
Rechtliche Anforderungen
Da die FlyCart 100 deutlich über 25 kg Abfluggewicht liegt, fällt sie nicht in die offene Kategorie der EU-Drohnenverordnung.
Sie wird in der Specific Category (Spezielle Kategorie) betrieben.
Dafür sind erforderlich:
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Operational Manual
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Risikobewertung (SORA)
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Genehmigung der Luftfahrtbehörde
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STS-Drohnenführerschein (Theorie und Praxis)
Erst mit dieser Genehmigung darf die Drohne offiziell eingesetzt werden.
Die Genehmigung kann je nach Bundesland oder Behörde zwischen zwei und sechs Monaten dauern.
Schulung und Vorbereitung für Betreiber
Wer eine FlyCart 100 betreiben möchte, benötigt eine entsprechende Schulung.
Typische Inhalte sind:
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Aufbau und Technik der Drohne
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sichere Lastaufnahme
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Absetzen von Lasten
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Arbeiten mit dem Lasthaken
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Flugplanung und Sicherheit
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Software-Updates und Wartung
Zusätzlich wird meist eine Praxisprüfung für den STS-Schein durchgeführt.
Fazit
Die DJI FlyCart 100 zeigt eindrucksvoll, wohin sich die Drohnentechnologie entwickelt.
Mit einer Nutzlast von bis zu 100 Kilogramm eröffnet sie völlig neue Möglichkeiten für:
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Materialtransport
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Rettungseinsätze
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Forstwirtschaft
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Berglogistik
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Spezialdienstleistungen
Gerade in schwer zugänglichen Gebieten kann eine Transportdrohne eine kostengünstige Alternative zum Hubschrauber sein.
Mit der richtigen Schulung, Genehmigung und Einsatzplanung kann die FlyCart 100 damit zu einem wichtigen Werkzeug für professionelle Drohnenbetreiber werden.







