Agrardrohnen verändern die moderne Landwirtschaft und den Weinbau. Die leistungsstarken Drohnen können Pflanzenschutzmittel ausbringen, Dünger und Granulate streuen und auch schwer zugängliche Flächen bearbeiten. Besonders im Steillagenweinbau bieten Agrardrohnen eine interessante Alternative zu herkömmlichen Verfahren.
Doch wie funktionieren Agrardrohnen in der Praxis? Welche Einsatzmöglichkeiten gibt es? Welche Voraussetzungen und Genehmigungen werden benötigt? Und lohnt es sich, mit einer Agrardrohne ein eigenes Business als Dienstleister aufzubauen?
Wir zeigen dir, welche Möglichkeiten moderne Landwirtschaftsdrohnen bieten und worauf du beim Einstieg achten solltest.
Was ist eine Agrardrohne?
Eine Agrardrohne ist eine speziell für landwirtschaftliche Anwendungen entwickelte Drohne. Im Gegensatz zu klassischen Kameradrohnen handelt es sich um leistungsstarke Heavy-Lift-Drohnen, die Flüssigkeiten oder Granulate transportieren und gezielt auf landwirtschaftlichen Flächen ausbringen können.
Moderne Systeme wie die DJI Agras-Serie wurden speziell für den professionellen Einsatz in Landwirtschaft und Weinbau entwickelt.
Je nach Modell und Ausstattung können Agrardrohnen unter anderem für folgende Anwendungen eingesetzt werden:
- Pflanzenschutz mit Drohnen
- Ausbringung biologischer Pflanzenschutzmittel
- Ausbringen von Dünger und Kalk
- Streuen von Granulaten
- Aussaat von Zwischenfrüchten und Untersaaten
- Bearbeitung von Weinbergen und Steillagen
- Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners
- Beschattung von Gewächshäusern
- weitere spezielle Anwendungen in der Landwirtschaft
Welche Anwendung möglich ist, hängt vom jeweiligen Drohnensystem, der verwendeten Technik und den geltenden rechtlichen Vorgaben ab.
Agrardrohnen im Weinbau
Ein besonders spannendes Einsatzgebiet für Agrardrohnen ist der Weinbau.
Vor allem in den Steillagen entlang von Rhein und Mosel ist die Bewirtschaftung vieler Flächen schwierig. Traktoren können nicht überall eingesetzt werden und eine Bearbeitung per Hand ist entsprechend zeitaufwendig.
Genau hier spielen Agrardrohnen im Weinbau ihre Stärken aus.
Die Drohne kann über die Rebflächen fliegen und die vorgesehenen Mittel gezielt aus der Luft ausbringen. Dadurch lassen sich auch schwer erreichbare Bereiche bearbeiten.
Ein weiterer wichtiger Faktor ist der Luftstrom der Drohne. Der sogenannte Downwash kann die ausgebrachte Flüssigkeit nach unten drücken und dabei unterstützen, dass die Blätter möglichst gleichmäßig benetzt werden.
Gerade bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln ist eine gezielte und gleichmäßige Verteilung entscheidend.
Welche Agrardrohnen gibt es?
Der Markt für Landwirtschaftsdrohnen entwickelt sich kontinuierlich weiter. Hersteller bieten inzwischen verschiedene Modelle für unterschiedliche Betriebsgrößen und Einsatzgebiete an.
Ein Beispiel ist die DJI Agras-Serie. Je nach Modell unterscheiden sich unter anderem Tankvolumen, Nutzlast, Flugleistung und Ausbringmenge.
Die Wahl der richtigen Agrardrohne hängt deshalb stark vom geplanten Einsatz ab.
Wer beispielsweise hauptsächlich kleinere Spezialanwendungen durchführen möchte, benötigt andere Kapazitäten als ein Dienstleister, der große landwirtschaftliche Flächen oder zahlreiche Weinberge bearbeiten möchte.
Die größte Agrardrohne ist deshalb nicht automatisch die beste Agrardrohne. Entscheidend ist, welches Einsatzgebiet du abdecken möchtest.
Was benötigt man für den Einsatz einer Agrardrohne?
Wer eine Agrardrohne professionell einsetzen möchte, benötigt mehr als nur die Drohne.
Für einen effizienten Einsatz ist eine komplette Infrastruktur notwendig. Dazu können beispielsweise gehören:
- Agrardrohne
- passende Akkus
- Schnellladesystem
- leistungsstarker Generator
- Wasser- und Mischtanks
- Pumpen
- Transporter oder Anhänger
- Ausbringtechnik
- Ersatzteile und Werkzeug
- Software zur Einsatz- und Flugplanung
Gerade bei Einsätzen auf landwirtschaftlichen Flächen gibt es häufig keinen direkten Zugang zu Strom oder Wasser.
Deshalb muss die notwendige Infrastruktur zum Einsatzort transportiert werden.
Die Logistik ist damit ein entscheidender Faktor für den wirtschaftlichen Betrieb einer Agrardrohne.
Agrardrohnen Genehmigung: Was ist zu beachten?
Eine der wichtigsten Fragen beim Einstieg lautet: Welche Genehmigung benötigt man für eine Agrardrohne?
Agrardrohnen gehören aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts zu den anspruchsvolleren Drohnensystemen. Je nach Einsatz sind entsprechende luftfahrtrechtliche Voraussetzungen und Genehmigungen notwendig.
Für den professionellen Betrieb können unter anderem folgende Punkte relevant sein:
- entsprechende Qualifikation als Drohnenpilot
- theoretische und praktische Ausbildung
- Betriebsgenehmigung
- Betriebshandbuch
- Risikobewertung
- weitere Anforderungen abhängig vom Einsatzgebiet
Wer Pflanzenschutzmittel konventionell ausbringen möchte, muss außerdem die entsprechenden fachlichen Voraussetzungen im Bereich Pflanzenschutz erfüllen.
Der Genehmigungsprozess sollte deshalb bereits vor dem Kauf einer Agrardrohne berücksichtigt werden.
Agrardrohnen als Dienstleister nutzen
Für viele Unternehmer ist nicht nur die Technik selbst interessant. Agrardrohnen können auch die Grundlage für ein eigenes Dienstleistungsbusiness bilden.
Nicht jeder Landwirt oder Winzer möchte selbst eine Agrardrohne kaufen, Piloten ausbilden, Genehmigungen beantragen und die komplette Infrastruktur aufbauen.
Hier entsteht eine interessante Möglichkeit für spezialisierte Agrardrohnen-Dienstleister.
Ein Dienstleister kann beispielsweise mehrere Winzer oder landwirtschaftliche Betriebe in einer Region betreuen und die Drohne nach Bedarf einsetzen.
Das kann besonders interessant sein, wenn die eigene Agrardrohne über die Saison möglichst gut ausgelastet wird.
Wie viel kann man mit einer Agrardrohne verdienen?
Die möglichen Preise unterscheiden sich je nach Anwendung, Region, Flächengröße und Aufwand.
Im professionellen Weinbau wurden in unserem Praxisbeispiel beispielsweise etwa 200 bis 300 Euro netto pro Hektar für bestimmte Dienstleistungen genannt. Hinzu können unter anderem Kosten für Pflanzenschutzmittel und Logistik kommen.
Beim Streuen können je nach Anwendung beispielsweise 40 bis 50 Euro pro Hektar möglich sein.
Bei speziellen Anwendungen können wiederum deutlich höhere Preise erzielt werden. Für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners wurden im Praxisbeispiel beispielsweise Größenordnungen von 250 bis 500 Euro netto pro Baum genannt.
Auch Stunden- und Tagessätze sind möglich. Als Richtwert wurden im Praxisbeispiel etwa 150 bis 250 Euro pro Stunde beziehungsweise 1.500 bis 2.500 Euro pro Tag genannt.
Dabei darf jedoch nicht vergessen werden: Umsatz ist nicht gleich Gewinn.
Kosten für Drohne, Akkus, Wartung, Personal, Transport, Energie, Versicherungen, Genehmigungen und weitere Betriebskosten müssen in die Kalkulation einbezogen werden.
Ist ein Agrardrohnen-Business noch lukrativ?
Die Frage, ob sich ein Einstieg in den Markt noch lohnt, lässt sich nicht pauschal beantworten.
Das Praxisbeispiel aus dem Weinbau zeigt jedoch, dass Agrardrohnen bereits professionell als Dienstleistung eingesetzt werden und dabei Aufgaben übernehmen können, die früher beispielsweise mit Hubschraubern durchgeführt wurden.
Gerade in Regionen mit vielen Steillagen und schwer zugänglichen landwirtschaftlichen Flächen kann weiterhin Potenzial vorhanden sein.
Interessant wird das Geschäftsmodell vor allem dann, wenn ein Dienstleister nicht nur eine einzige Anwendung anbietet, sondern verschiedene Einsatzbereiche miteinander kombiniert.
Die Agrardrohne möglichst das ganze Jahr auslasten
Eine Herausforderung beim Agrardrohnen-Business ist die saisonale Auslastung.
Viele Anwendungen konzentrieren sich auf bestimmte Monate. Im Weinbau beginnt die intensive Saison beispielsweise im Frühjahr und reicht bis in den Sommer.
Wer wirtschaftlich arbeiten möchte, sollte deshalb überlegen, wie sich zusätzliche Dienstleistungen integrieren lassen.
Mögliche Ergänzungen können beispielsweise sein:
Frühjahr:
Aussaat, Untersaaten und erste landwirtschaftliche Anwendungen
Frühsommer:
Pflanzenschutz, Düngung und weitere Ausbringarbeiten
Sommer:
Weinbau, Pflanzenschutz und spezielle Anwendungen
Weitere Zeiträume:
Multispektrale Aufnahmen, Vermessung, Inspektionen oder andere spezialisierte Drohnendienstleistungen
Dadurch kann die vorhandene Technik besser ausgelastet werden.
Software und Planung bei Agrardrohnen
Je größer der Betrieb und je mehr Flächen bearbeitet werden, desto wichtiger wird eine professionelle Einsatzplanung.
Bei mehreren Piloten, Drohnen und zahlreichen landwirtschaftlichen Flächen kann schnell der Überblick verloren gehen.
Eine geeignete Software kann dabei helfen, Aufträge zu planen, Flächen zu verwalten und den Fortschritt zu dokumentieren.
Gerade im Weinbau mit vielen einzelnen Parzellen ist eine genaue Planung wichtig. So kann nachvollzogen werden, welche Fläche bereits bearbeitet wurde und welche noch offen ist.
Agrardrohnen: Technik trifft auf Praxis
Die Entwicklung der Agrardrohnen zeigt, wie stark sich die Landwirtschaft durch moderne Drohnentechnik verändert.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um die Drohne selbst. Erfolgreiche professionelle Einsätze benötigen ein Zusammenspiel aus Technik, Pilot, Genehmigungen, Fachwissen, Logistik, Software und Kundenaufträgen.
Wer eine Agrardrohne kaufen und professionell einsetzen möchte, sollte deshalb das gesamte System betrachten.
Fazit: Lohnt es sich, eine Agrardrohne zu kaufen?
Agrardrohnen bieten großes Potenzial für Landwirtschaft, Weinbau und spezialisierte Dienstleistungen.
Besonders in Steillagen und schwer zugänglichen Gebieten können sie eine interessante Alternative zu herkömmlichen Verfahren darstellen.
Auch der Aufbau eines Agrardrohnen-Business als Dienstleister kann interessant sein. Entscheidend sind dabei jedoch eine gute Auslastung, die richtige Drohne, eine funktionierende Logistik und die Erfüllung aller notwendigen rechtlichen Voraussetzungen.
Wer über den Kauf einer Agrardrohne nachdenkt, sollte deshalb nicht nur auf Tankvolumen und Flugzeit achten. Viel wichtiger ist die Frage:
Welche Anwendungen möchte ich anbieten und wie kann ich daraus ein wirtschaftliches Geschäftsmodell entwickeln?
Die Agrardrohne ist dabei nur ein Teil des gesamten Systems.
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