Europas größte Rotwildzählung mit Drohnen – Präzision aus der Luft für modernes Wildtiermonitoring

40.000 Hektar, zehn Drohnenpiloten, zwei Nächte und modernste Technologie: Was zunächst nach einem Großprojekt aus der Luftfahrt klingt, war tatsächlich eines der bislang größten Drohnenprojekte zur Wildtiererfassung in Europa. Ziel war die nächtliche Erfassung von Rot- und Rehwild auf einer zusammenhängenden Fläche von rund 40.000 Hektar – effizient, wissenschaftlich fundiert und mit höchster Präzision.

Moderne Technik trifft jagdliche Expertise

Eine erfolgreiche Wildzählung erfordert weit mehr als moderne Drohnentechnik. Entscheidend ist die Kombination aus technologischem Know-how und fundierter jagdlicher Erfahrung. Genau diese Verbindung macht den Unterschied.

Unser Team besteht überwiegend aus aktiven Jägern und verfügt gleichzeitig über langjährige Erfahrung im professionellen Drohneneinsatz. Bereits vor über acht Jahren begannen wir gemeinsam mit Forschungsinstitutionen, Drohnen für das Wildmonitoring einzusetzen. Seitdem haben sich sowohl die Technik als auch die Auswertungsmöglichkeiten enorm weiterentwickelt.

Warum Drohnen die bessere Alternative sind

Während klassische Wildzählungen mit Flugzeugen seit vielen Jahren etabliert sind, bieten Drohnen heute entscheidende Vorteile:

  • Sie können punktgenau über einer Stelle schweben.
  • Verdecktes Wild lässt sich durch unterschiedliche Blickwinkel besser erkennen.
  • Wärmebildtechnik ermöglicht eine zuverlässige Erfassung auch bei Dunkelheit.
  • GPS-Dokumentation sorgt für eine lückenlose Nachvollziehbarkeit aller Beobachtungen.

Gerade bei großen Waldgebieten erhöht dies die Genauigkeit der Ergebnisse erheblich.

Warum nachts gezählt wurde

Die gesamte Befliegung fand bewusst in den Nachtstunden statt. Dafür sprechen mehrere Gründe:

Zum einen entstehen keine Störungen durch Sonneneinstrahlung, welche Wärmebilder verfälschen könnte. Zum anderen ist der Temperaturunterschied zwischen Wildkörper und Umgebung besonders hoch, wodurch Tiere deutlich besser sichtbar werden.

Ein weiterer entscheidender Vorteil: Rotwild hält sich nachts häufiger auf Freiflächen auf und bewegt sich oftmals in größeren Rudeln. Dadurch lassen sich sowohl Bestände als auch Geschlechterverhältnisse wesentlich zuverlässiger erfassen.

Künstliche Intelligenz unterstützt die Zählung

Zum Einsatz kamen modernste Drohnen mit:

  • hochauflösender Wärmebildkamera
  • Zoomkamera
  • Nachtsichtkamera
  • leistungsstarkem Scheinwerfer
  • Laser-Entfernungsmesser zur exakten GPS-Erfassung

Erstmals unterstützte zudem eine eigens entwickelte Künstliche Intelligenz die Piloten direkt während des Fluges. Sie erkannte Wildtiere automatisch und half insbesondere bei der Zählung größerer Rudel. Dadurch konnten Fehler reduziert und die Datenerfassung weiter optimiert werden.

Präzise Planung für maximale Genauigkeit

Eine Fläche von 40.000 Hektar lässt sich nur mit sorgfältiger Vorbereitung effizient erfassen.

Das Untersuchungsgebiet wurde vorab anhand digitaler Karten in einzelne Teilbereiche aufgeteilt. Zehn Drohnenpiloten flogen diese Bereiche parallel ab. Jeder Pilot bearbeitete zwischen 1.000 und 2.000 Hektar pro Nacht.

Besonders wichtig war dabei die Vermeidung von Doppelzählungen. Alle Piloten arbeiteten mit einer synchronisierten GPS-Datenbank. Wurde ein Rudel bereits dokumentiert, war diese Information sofort für alle anderen Teams sichtbar. So konnten Wildwechsel an Reviergrenzen zuverlässig berücksichtigt werden.

Dokumentation bis ins Detail

Jede Wildsichtung wurde vollständig dokumentiert:

  • exakte GPS-Koordinaten
  • Foto- und Wärmebildaufnahme
  • Tierart
  • Anzahl der Tiere
  • möglichst genaue Geschlechtsbestimmung

Anschließend erhielt jede beteiligte Gemeinde einen individuellen Auswertungsbericht inklusive Kartenmaterial und digitaler KML-Dateien, die beispielsweise in GIS- oder Forstsysteme übernommen werden können.

Grundlage für fundierte Entscheidungen

Die Aufgabe einer professionellen Drohnenbefliegung besteht nicht darin, Ergebnisse zu bewerten oder jagdliche Empfehlungen auszusprechen. Sie liefert vielmehr objektive und nachvollziehbare Daten als Grundlage für spätere Entscheidungen durch Rotwildsachverständige, Forstbetriebe und Jagdverantwortliche.

Gerade in Zeiten steigender Anforderungen an Waldumbau, Wildmanagement und Naturschutz gewinnen belastbare Daten zunehmend an Bedeutung.

Erfolgreiche Zusammenarbeit als Schlüssel

Ein Projekt dieser Größenordnung lässt sich nur gemeinsam realisieren. Neben der technischen Durchführung waren umfangreiche Genehmigungen, Abstimmungen mit Gemeinden, Naturschutzbehörden und Flugplätzen sowie eine detaillierte Einsatzplanung erforderlich.

Das Projekt zeigt eindrucksvoll, wie moderne Drohnentechnologie, jagdliche Fachkompetenz und die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten dazu beitragen können, ein präzises Bild der Wildbestände zu erhalten.

Fazit

Die großflächige Wildtiererfassung mit Drohnen entwickelt sich zunehmend zum neuen Standard im professionellen Wildmonitoring. Sie ermöglicht objektive, reproduzierbare und effiziente Bestandsaufnahmen – selbst in schwierigem Gelände und auf sehr großen Flächen.

Mit moderner Sensorik, Künstlicher Intelligenz und erfahrenen Drohnenpiloten entstehen belastbare Datengrundlagen, die sowohl Jagd als auch Forstwirtschaft bei nachhaltigen Entscheidungen unterstützen.

Dieses Projekt hat eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial in der Kombination aus innovativer Technologie und praktischer Erfahrung steckt – und setzt damit neue Maßstäbe für zukünftige Wildzählungen.

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